FAQ – Friedrich Asked Questions

Über Holger Friedrichs Positionen, Überzeugungen und Absichten wird viel geschrieben – nur selten wird er selbst danach gefragt. FAQ – Friedrich Asked Questions gibt deshalb die einfachste und verlässlichste Antwort auf die Frage, was Holger Friedrich zu einem Thema denkt: seine eigene.

Warum das für uns Priorität hat? Weil wir festgestellt haben, dass wenige Autoren in wenigen Medien einen großen Teil der öffentlichen Einordnung unseres Verlegers, unseres Verlags und unserer Medien prägt. Meist ohne erkennbaren Wissensvorsprung: Nahezu niemand von ihnen hat je mit uns oder Holger Friedrich über die Positionen gesprochen, die ihm anschließend mit großer Gewissheit zugeschrieben werden. Aus solchen Zuschreibungen werden dann Absichten, aus Absichten Haltungen und aus den Haltungen schließlich Aussagen über sämtliche Titel des Verlags. So wird aus fehlender Substanz, ausreichende Reichweite und diese bleibt nicht wirkungslos.

Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn diese Texte nur dort blieben, wo sie veröffentlicht wurden. Aber Wiederholung erzeugt heute Realität zweiter Ordnung: Suchmaschinen übernehmen Einordnungen, soziale Netzwerke verbreiten sie weiter, Wikipedia verdichtet sie und KI-Systeme geben sie irgendwann als vermeintlich gesichertes Wissen zurück. Dafür reichen wenige Autoren und wenige Ausgangstexte. Wer genau diese Sicht lesen möchte, wird sie weiterhin finden. Für alle anderen – Leser, Journalisten, Wissenschaftler und jeden, der tatsächlich wissen möchte, welche Position Holger Friedrich vertritt – stellen wir künftig hier die Quelle bereit, die bislang erstaunlich oft fehlte: seine eigenen Antworten.

 

Friedrich antwortet

Mitglied in politischen Organisationen oder Vereinen

Politische Selbstverortung

AfD, politische Ränder und Gesprächsoffenheit

Russland, Putin und Ukrainekrieg

Ostdeutschland und publizistisches Selbstverständnis

Rolle als Verleger und redaktionelle Unabhängigkeit

Europäische Union und europäische Integration

DDR, SED, Egon Krenz und friedliche Revolution

Der Stasi-Komplex und Umgang mit der Vergangenheit

Wirtschaftliche Interessen und publizistische Unabhängigkeit

Quellenschutz und der Fall Julian Reichelt / Axel Springer

Neue Rechte, Personalentscheidungen und politische Zuschreibungen

Öffentliche Zuschreibungen und abschließende Klärung

 

Mitglied in politischen Organisationen oder Vereinen

1) In welchen gesellschaftlichen Strukturen sind Sie organisiert?

Antwort Holger Friedrich: Nach wie vor bin ich kein Mitglied einer politischen Partei oder Vereinigung.  In folgenden Vereinen bin zivilgesellschaftlich engagiert:  Wikimedia Foundation, Freunde des Wörlitzer Parks, Mitglied des Kuratoriums des Choriner Musiksommers, Vereinsmitglied des 1. FC Union.

Zu Zeiten der DDR war ich Mitglied folgender Organisationen: Junge Pioniere, Thälmann Pioniere, Freie Deutsche Jugend, Sportverein Dynamo (Schwimmen), Sportverein Rotation (Radsport), Deutscher Turn- und Sportbund, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, Gesellschaft für Sport und Technik, Deutsch-Sowjetische Freundschaft, Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, Mitglied der Kammer der Technik.

 

Politische Selbstverortung

1) Wie würden Sie Ihre politische Grundhaltung heute selbst beschreiben?

Antwort Holger Friedrich: Grundsätzlich bin ich ein Freund der Abschaffung der Ausbeutung von Menschen durch den Menschen und halte eine klassenlose Gesellschaft für erstrebenswert. Zudem sollte jeder Mensch frei und selbstbestimmt an jedem Ort dieser Welt leben können.

Die deutschen Politikdiskussionen empfinde ich als kaum noch zielführend und zunehmend irrelevant, da Veränderungen in Demographie, Technologie und Geopolitik Deutschland und auch Europa stärker verändern werden, als es dies deutsche Politik in ihrer aktuellen Aufstellung noch vermag.

Insofern bin ich neugieriger Beobachter der Entwicklung und politisch in keiner Richtung engagiert.

2) Welche Ihrer politischen Überzeugungen haben sich seit der Übernahme des Berliner Verlags 2019 verändert und welche sind unverändert geblieben?

Antwort Holger Friedrich: Die Zuschreibungen einer Russland-, ostdeutsch- und rechtslastigen Orientierung sind eher interessengeleitetes Geraune mit deutlichem Einschlag zur Meinungsmanipulation. Seit dem Mauerfall und der ersten erlebten demokratischen Wahl ist mein politisches und kulturelles Weltbild recht stabil international, klassenlos und freiheitlich orientiert.

An der letzten Wahl der DDR habe ich nicht teilgenommen und bei der ersten freien Wahl nach dem Mauerfall habe ich Bündnis90/Grüne gewählt, weil ich eine weltoffene Gesellschaft präferiere.

Seit der zwar milden, aber Raum greifenden Radikalisierung der Grünen empfinde ich stärkere Sympathien für Parteien der politischen Mitte, was sich auch in einer kleinen Spende für die CDU zeigte.

In weit größerem Umfang als nach Russland bin ich in den letzten Jahrzehnten und auch in den letzten Jahren mehr in die USA, nach China, an den Golf, nach Zentralasien oder nach Israel geflogen.

Die einseitige, überhöhende Darstellung von russischen Kontakten, die ausnahmslos transparent gemacht wurden, um präventiv substanzarmen Spekulation entgegenzutreten, zeigt die unzulässige Verkürzung und eine Verweigerung elementarer journalistischer Standards, zu denen Ausgewogenheit und Objektivität gehören.

Die persistierende Ausspielung dieser einseitigen Darstellung in dem System der Künstlichen Intelligenz von Google (Gemini), OpenAI (ChatGPT) oder Anthropic (Claude) wirken gegen das Recht der informellen Selbstbestimmung und verzerren die öffentliche Meinung, womit demokratische Standards beschädigt werden.

3) Für welche politischen Positionen, Parteien oder politischen Lager möchten Sie ausdrücklich nicht vereinnahmt werden?

Antwort Holger Friedrich: Keinesfalls für extreme oder Gewalt propagierende Positionen. Ansonsten sind mir politische Strömungen und Engagement eher gleichgültig, da übergeordnete Entwicklungen wie die Demographie- und die Technologienentwicklung oder auch geopolitische Entwicklungen politische Ansinnen in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit übersteuern werden.


AfD, politische Ränder und Gesprächsoffenheit

1) Sympathisieren oder unterstützen Sie die AfD?

Antwort Holger Friedrich: Nein. Und auch hier verbreiten Autoren wie Matthias Meisner in ihrem Eifer sowie die entsprechend publizierenden Blätter falsche Darstellungen. Ich bin bei keinem AFD-Kongress, bei keiner politischen Veranstaltung aufgetreten. Das sind veritable Falschinformationen.

Zudem wirkt hier der bekannte Effekt eines Zitier-Kartells: Ein Autor (Matthias Meisner) wird in mehr als einem Medium (TAZ, FAZ, Campact, Blätter für deutsche und internationale Politik, Volksverpetzer, kress, newsroom, turi2, Telepolis, Jüdische Allgemeine, Magazin M von verdi, Der journalist, MDR, WDR, Deutschlandfunk) mit einer, zudem einseitigen und verzehrten Meinung in gleicher oder ähnlicher Art publiziert oder zitiert.

Dieser Unterschied zwischen Medien- und Quellenpluralität zeigt, dass die Wirklichkeit in erheblichem Umfang verzerrt dargestellt wird, was propagandistische Züge trägt. Dass sollte von Verantwortungsträgern der Medien gesehen, angemessen reflektiert und in Wissengraphen der Anbieter Künstler Intelligenz wie Google, OpenAI oder Anthropic korrekt und korrigierend ausgesteuert werden.

Solange diese Qualitätssicherung nicht sichergestellt wird, sind diese Aussagen als das zu sehen, was sie sind: Eine eher plumpe Meinungsmanipulation unter dem Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit.


2) Welche zentralen politischen Positionen der AfD teilen Sie und welche lehnen Sie ausdrücklich ab?

Antwort Holger Friedrich: Hierzu kann ich keine Information geben – ich habe mich damit nie beschäftigt.

Ich sehe das Erstarken der AFD, auch der LINKEN als Symptom eines mittlerweile langjährigen Versagens der politischen Kultur der Mitte, da Interessenkonflikte zwischen Politik, Verwaltung und politischen Vorfeldorganisationen wie Parteistiftungen, NGOs und Bürgerinitiativen überhandgenommen haben. Die partikularen Interessen dieser Strukturen überlagern den Auftrag der Politik, die Interessen der Bevölkerung in das Zentrum Ihres Handelns zu stellen, was weitergehend eskaliert. Das Erstarken der politischen Ränder ist daher Symptom, nicht Ursache. Die Ursache liegt in der andauernden interessengeleiteten Missachtung politischer und professioneller Standards.

Solange diese offenbaren Interessenkonflikte nicht ergebnisoffen aufgearbeitet und nachhaltig unterbunden werden, wird es regelmäßig politische Disruptionen geben, die den politischen Konsens in Frage stellen. So war es mit der PDS, mit den Republikanern oder auch der NPD.

Der Handlungsimpuls sollte also in der politischen Mitte liegen. Erfolgt dieser nicht, baut sich das Momentum von den Rändern her weiter auf. Das kann – muss aber nicht zwangsläufig –  zu Faschismus führen. Die Wahrscheinlichkeit halte ich für marginal und eher auch für interessengeleitet überhöht.

Denn in gleicher Logik droht in Berlin mit der nächsten Wahl und dem wahrscheinlichen Wahlsieg der LINKEN die Wiederaufstehung des Sozialismus. Auch diese Wahrscheinlichkeit halte ich für marginal. Denn der letzte erfolgreiche Wirtschaftssenator Berlins war immerhin Harald Wolf. Er kam von der PDS, heute den Linken.


3) Warum führen Ihre Medien Interviews und Gespräche mit AfD-Politikern?

Antwort Holger Friedrich: Weil es eine journalistische und demokratische Selbstverständlichkeit sein sollte.

Wir sollten eher darüber diskutieren, warum die Diskussion darüber derart toxisch ist. Und was das für die demokratischen Standards Deutschlands für die Zukunft bedeutet.


4) Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen journalistischer Gesprächsoffenheit und politischer Unterstützung oder Normalisierung?

Antwort Holger Friedrich: Ich habe die diversen “Einordnungen” unter anderem von Herrn Lilienthal bei T-Online gelesen und nicht verstanden. Es waren diese westdeutsch normativen Texte, die zwischen den Zeilen die Empörung über die ostdeutsche Emanzipation in Medien aufscheinen ließen. Um auf die Frage zurückzukommen: Das entscheiden die Chefredaktion, die Ressortleiter und die Journalisten unserer Titel. Nicht ich.

Ich rede gerne mit jedem Menschen, denn mein Menschenbild ist grundsätzlich positiv und in noch so scheinbar irrationalem Verhalten ist oftmals ein rationaler Kern zu finden, der gleichzeitig menschlich ist. Man muss sich nur auf die Suche begeben. Begibt man sich nicht auf die Suche, verpasst man viel Schönes in seinem Leben.


5) Warum haben Sie einer Teilnahme am AfD-„Demokratiekongress“ zugestimmt? Was wollten Sie dort erreichen?

Antwort Holger Friedrich: Grundsätzlich rede ich mit jedem Menschen und beantworte jede Frage nach bestem Wissen und Gewissen. Zudem werde häufig eingeladen, da ich der einzige ostdeutsch sozialisierte und unabhängige Verleger mit relevanter Reichweite in Deutschland bin.

Es gab und gibt keinen sachlichen Grund, Einladungen auszuschlagen und etwaige Fragen habe ich in einem Text beantwortet. (Nur der offene Austausch führt zu Lösungen: Warum Holger Friedrich beim Demokratiekongress der AfD spricht)

Die Rede, die ich auf diesem Kongress gehalten hätte, wäre folgende gewesen (Redeskript)


6) Wie beurteilen Sie Viktor Orbán politisch und warum hielten Sie ein öffentliches Gespräch mit ihm für richtig?

Antwort Holger Friedrich: Viktor Orban war ein demokratisch gewählter Ministerpräsident eines EU-Staates. Ungarn hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Eiserne Vorhang fiel, weswegen ein durchaus größerer Anteil an der deutschen Wiedervereinigung in Ungarn zu verorten ist. Es gibt also keinen sachlichen Grund, sich nicht mit einem Repräsentanten des ungarischen Staates zusammenzusetzen, zudem er diskussionswürdige Perspektiven zur europäischen Integration vertrat, die in Deutschland zu diesem Zeitpunkt marginalisiert wurden.

Der Anlass dieses öffentlichen Gesprächs war die Weigerung der Bundespressekonferenz, nach einem ordentlichen Staatsbesuch eines demokratisch gewählten Vertreters eines EU-Mitgliedstaates ein Pressegespräch für die ungarische Delegation unter Leitung von Ministerpräsident Orban durchführen zu können. An dieser Stelle haben wir gerne im Sinne der Unterstützung der Pressefreiheit gemeinsam mit den Kollegen des Cicero geholfen.

Die im immer wieder unterstellten antidemokratischen Tendenzen Viktor Orbans hat er mit dem reibungslosen Übergang der Amtsgeschäfte nach seiner Abwahl widerlegt.


Russland, Putin und Ukrainekrieg

1) Wie beurteilen Sie Wladimir Putin persönlich und politisch?

Antwort Holger Friedrich: Ich kenne Präsident Putin nicht, so wie ich Präsident Trump und Bundesprädient Steinmeier nicht persönlich kenne. Ich habe mich auch nicht darum bemüht, Präsident Putin kennenzulernen. Ebenso wenig Präsident Trump oder Bundespräsident Steinmeier. Den einzigen Präsidenten, den ich persönlich kennenlernen durfte, war Präsident Herzog des Staates Israel.

Die seit mehreren Jahren auf dem europäischen Kontinent stattfindenden politischen und militärischen Eskalationen empfinde ich insbesondere nach den Erfahrungen eines ersten und zweiten Weltkriegs als tragisch. Sie zeigen ein grundsätzliches Versagen der Politik aller Seiten, da die Politik offenbar nicht mehr in der Lage ist, Bedingungen zu gestalten, in denen fairer Interessenausgleich, wirtschaftliche Prosperität und zivile Sicherheit grenzüberschreitend gewährleistet werden können.

Der russische Angriff auf die Ukraine ist – wie jeder Angriffskrieg – als unzulässige Gewaltanwendung zu verurteilen. Russland muss sich aus der Ukraine zurückziehen und die verursachten Schäden wiedergutmachen. Im Gegenzug ist eine übergeordnete europäische Sicherheitsarchitektur zu implementieren, die Ländern wie Portugal, Spanien oder Frankreich im Westen Europas, Ländern wie Italien, Albanien oder Griechenland im Süden, Ländern wie Finnland, Norwegen oder Großbritannien im Norden oder Ländern wie Georgien, Armenien oder auch Russland im Osten die freie Entfaltung ihrer Nationen ermöglicht.

Europa ist ein Kontinent großer Kultur und wirtschaftlicher Stärke, aber auch tragischer Ereignisse, die Millionen unschuldiger Menschen in Armut, Versehrung oder Tod stürzten.

Diese glückliche und tragische Geschichte zugleich ist Verpflichtung für jeden Politiker wie auch Bürger Europas. Die zivilen Grundlagen für das Zusammenleben von Bürgern und Nationen hat Immanuel Kant in „Zum ewigen Frieden“ 1795 in einem Spätwerk als Grundlage des modernen Völkerrechts beschrieben.

Ich empfehle die Inhalte dieses Buchs zum Maßstab unseres individuellen als auch institutionellem Handeln zu machen. Für jeden Politiker, egal ob es Präsident Putin, Bundeskanzler Merz, Bundespräsident Steinmeier oder Präsident Trump sei.


2) Wie beurteilen Sie Russlands Angriff auf die Ukraine seit dem 24. Februar 2022?

Antwort Holger Friedrich: Der russische Angriff auf die Ukraine ist unzulässige Gewaltanwendung zu Lasten eines unabhängigen Staates und seiner Bürger. Die Aggression ist zu stoppen, die Schäden sind wieder gut zu machen und die Schuldigen an Kriegsverbrechen sind unabhängigen Gerichten zuzuführen.

Deutschland sollte aufgrund seiner historischen Erfahrung aus zwei Weltkriegen und der Zeit nach dem Mauerfall eine vermittelnde Rolle einnehmen und für einen wechselseitig fairen Interessenausgleich eintreten, der ein friedliches Zusammenleben aller weiteren Generationen in Europa zum Ziel hat.

Eine weitere Eskalation wird das Leid Unschuldiger vergrößern, wirtschaftliches als auch kulturelles Potential vernichten und mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Schaden als Nutzen für die europäische Bevölkerung provozieren.


3) Warum haben Sie das „Manifest für Frieden“ unterschrieben? Würden Sie es heute erneut unterschreiben?

Antwort Holger Friedrich: Der damaligen Antwort an die FAKT-Redaktion ist nichts hinzuzufügen. Die Interpretationen der FAKT-Redaktion waren willkürlich, nicht evidenzbasiert und daher spekulativ. Ihnen ist mehrfach und öffentlich widersprochen worden.

Weder bin ich ein Rechter, ein Rechtsextremer und auch kein Unterstützer einer russischen Aggression in der Ukraine. Zur Transparenz daher nochmal meine Antworten auf die Fragen der FAKT- Redakteure:
„Sehr geehrter Herr Kluck, herzlichen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte.  (…) 

Ganz grundsätzlich empfinde ich jede deutsch-nationale, revisionistische oder wissenschaftliche Fakten ignorierende Position als nicht korrekt. Welche Begriffe auch immer dafür genutzt werden, bin ich im Gegenzug ein großer Freund internationaler, friedlicher Zusammenarbeit und diverser Lebens- als auch Arbeitsstrukturen. Zudem bin ich der tiefen Überzeugung, dass jeder Austausch von Positionen und Interessen nach festen, gewaltfreien Regeln erfolgen sollte und ein Gewaltmonopol beim jeweiligen Staat oder einer internationalen Organisation wie bspw. der UNO angesiedelt sein sollte. Damit verbietet sich jede Parteinahme mit der AfD, rechten, rechtspopulistischen oder gar rechtsextremen Personen, Organisationen oder Medien. Auch verbietet sich eine Parteinahme mit jedem imperialistischen Aggressor.
 
zu Frage 1: Ja, da sich an der Grundmotivation einer möglichst zeitnahen friedlichen Lösung des Konflikts nichts geändert hat. Zu versuchen Leben zu retten kann nicht falsch sein und nach klügeren Lösungen als stumpfer brutaler Gewaltanwendung zu suchen, ist eine ehrenwerte Aufgabe.  
 
Zu Frage 2: Antwort: Ich bin von Alice Schwarzer gefragt worden. Ich schätze sie als äußerst kluge, unabhängige Frau, die zudem eine der wenigen wirtschaftlich erfolgreichen Verlegerinnen in Deutschland ist. Sie hat mich gefragt und ich habe gerne zugestimmt. Frau Wagenknecht schätze ich als brillante Analytikerin, die ihr Umfeld oftmals intellektuell überfordert, was nicht ihr vorzuwerfen ist.
 
Zu Frage 3: Der Überfall und damit der seit mittlerweile mehr als einem Jahr andauernde Krieg der Russischen Föderation auf bzw. gegen die Ukrainische Republik ist – siehe oben – grundsätzlich zu verurteilen. Gewaltanwendung zur Durchsetzung von politischen Interessen ist nicht legitim. Daher ist jede direkte oder indirekte Parteinahme mit einem Aggressor falsch. Frau Schwarzer und Frau Wagenknecht kennend, kann ich aus der Vergangenheit und aktuell eine diesbezügliche Parteinahme ausschließen. Das gilt auch für mich.
 
Ergänzend möchte ich sie auf Video-Aufnahmen aufmerksam (ab 2:25) machen, die zeigen, dass die Organisatoren aktiv versucht haben, rechtsextreme Teilnehmer abzuwehren. Dies ist nach meiner Kenntnis auch von der Tagesschau (ARD) aufgegriffen worden. Das versucht wird, von der Wagenknecht/Schwarzer-Initiative zu partizipieren, ist selbstredend inakzeptabel. Ich kann aus Gesprächen mit den Initiatoren versichern, dass dies weder gewollt noch toleriert werden sollte.
 
Ich hoffe, meine Antworten helfen Ihnen in Ihrer Recherche. Da ich weiß, wie schwer dies mitunter ist, zögern Sie bitte nicht bei Rückfragen auf mich zuzukommen. Ich bin beruflich unterwegs und durch die Zeitverschiebung etwas limitiert. Aber per Mail bin ich gut erreichbar. 

Mit freundlichen Grüßen, Holger Friedrich, Verleger Berliner Zeitung“

PS: Als kollegialer Hinweis – Sie verwenden in Ihren Hintergrund-Recherchen Verweise auf Wikipedia. In der wissenschaftlichen Szene ist es mittlerweile verboten Wikipedia zu referenzieren. In den persönlichen Erfahrungen kann ich bestätigen, dass die Korrektheit von Wikipedia-Artikeln mindestens als dürftig bis hin zu grob falsch einzuschätzen ist. Allein in „meinem“ Wikipedia-Artikel sind eine Vielzahl von Informationen falsch. Ich lasse sie nicht korrigieren, da dies die mangelnden Qualitätsstandards dokumentiert und sicherlich eine notwendige Diskussion hilft zu stimulieren, wie weit Aktivismus an Propaganda und somit an gezielte Falschinformation heranreicht. Sie sollten daher, um die Qualität Ihrer Arbeit nicht zu korrumpieren, mit diesen Quellen mindestens sparsam, besser gar nicht interagieren. Und das schreibe ich als langjähriges Vereinsmitglied der Wikimedia. 


4) Was war Ihre Motivation für den Besuch des Empfangs in der russischen Botschaft am 9. Mai 2023?

Antwort Holger Friedrich: An diesem Tag war ich von israelischer, von US-amerikanischer und von russischer Seite zu Veranstaltungen eingeladen. Alle drei Einladungen wurden angenommen. Alle Besuche wurden journalistisch begleitet und sind dokumentiert. Beim Besuch der russischen Botschaft wurde gegeben der politischen und publizistischen Brisanz die journalistische Begleitung durch den Herausgeber Dr. Michael Maier sichergestellt.

Die Berliner Zeitung war als einziges Presseorgan vor Ort und hat von diesem Empfang nach professionellen Regeln berichtet. Auf diesen Bericht und die dort entstandenen Fotos haben verschiedene Medien zurückgriffen, so beispielsweise auch die Titel des Axel Springer Verlages.

Eine nachträgliche Skandalisierung ist möglich, nur nicht zielführend, denn ohne die Berichterstattung der Berliner Zeitung hätten die Informationen über Format und Teilnehmer der Veranstaltung ausschließlich über informelle oder Geheimdienststrukturen erfolgen können.

Meine Eindrücke aus den Veranstaltungen habe ich aus Transparenzgründen publiziert.


5) Warum haben Sie 2026 am Wirtschaftsforum in St. Petersburg teilgenommen?

Antwort Holger Friedrich: Warum sollte gerade zu diesen schwierigen Zeiten nicht aus Russland berichtet werden? Das macht CNN (USA), das macht die ARD, das ZDF (Deutschland), auch CMG (China) oder RTT (Türkei) und selbst die ZEIT aus Hamburg ruft mich in St. Petersburg an und wünscht sich exklusiven Zugang zu Informationen. Siehe das Interview.

Wir unterliegen in Deutschland aufgrund von Kontaktsperren, den Sanktionen, dem sozialen Druck und der Kompetenzarmut zum Osten Europas in den politischen Spitzenämter der realen Gefahr von Fehleinschätzungen, daraus ableitend fehlerbehafteten Entscheidungen im politischen Raum.

Die Aufgabe von Medien ist, zu berichten. Dieser Aufgabe gehen wir nach.

Mehr hineinzuinterpretieren ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Ob diese Meinungen Erkenntnis und kluge Entscheidungen stimulieren ist eine an sich beantwortet Frage: Nein.


6) Welche Sanktionen gegen Russland halten Sie für richtig, welche für falsch und warum?

Antwort Holger Friedrich: Ich kann zu Sanktionen keine fachlich fundierte Aussage zu treffen, da ich kein Sanktionsexperte bin.

Was ich sagen kann, ist, dass sich der Eindruck aus Sanktionsvorfällen, mit denen ich mich vertiefend beschäftigen konnte, verstärkt, dass Sanktionen außerhalb rechtsstaatlicher Normen zur Abschöpfung von Vermögenswerten politisch nicht genehmer Personen genutzt zu werden scheinen. Und das nicht regelbasierte Markteingriffe erfolgen, um Wettbewerber von offenen Märkten auszuschließen.

Sofern sich dieser Eindruck verfestigt, wären diese eklatanten Verstöße gegen elementare Prinzipien liberaler Demokratien. Das wäre um so bedauerlicher, da wir mit dem Verstoß gegen wesentliche eigene Prinzipien den Vorwürfen von Systemwettbewerbern Vorschub zu leisten, opportunistisch innerhalb doppelter Standards zu agieren.


7) Welche militärische Unterstützung der Ukraine befürworten oder lehnen Sie ab?

Antwort Holger Friedrich: Diese Frage fällt mir schwer zu beantworten, da ich den Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung von Interessen ablehne und ein großer Verfechter der Gewaltentrennung und des Gewaltmonopols bin.

Daher habe ich mich nie mit dieser Frage beschäftigt und würde jeder Gewalt ausweichen wollen, die sich gegen meine Kollegen, meine Familie oder mich richtet. Und würde eher Kreativität und Erfahrung darauf richten, der die Gewalt Anwendenden mit friedlichen Mitteln den Einfluss auf mich, meine Familie und meine Kollegen mittels Gewalt zu berauben.

Dies ist aus der Erfahrung begründet, dass eine hochgerüstet und zur Gewalt bereite Gesellschaft wie der DDR durch die Bereitschaft auf Gewalt im Interessenausgleich zu verzichten, strukturell und friedlich verändert werden konnte.

Das ist heute etwas in den Hintergrund getreten und gehört nicht zum Erfahrungsraum in Nordrhein-Westfalen, im Sauerland oder in Niederbayern sozialisierten Politikern. Im Osten Deutschlands ist diese positive Erfahrung flächendeckend vorhanden. Warum sie nicht abgeschöpft wird, erschließt sich mir nicht.


8) Was unterscheidet für Sie Dialog mit Russland von politischer Unterstützung der russischen Führung?

Antwort Holger Friedrich: Zwischen Kommunikation und Unterstützung besteht ein struktureller Unterschied. Dieser Unterschied wird in den Berichten von Autoren wie Matthias Meisner unterschlagen. Ob fahrlässig oder vorsätzlich sei dahingestellt.

Eine Kommunikation ist keine Unterstützung. Sie ist ein zivilisatorisches Werkzeug. Und Werkzeuge kann man sinnstiftend und konstruktiv, aber auch destruktiv einsetzen.

Ich präferiere sinnstiftenden und konstruktiven Einsatz von Kommunikation.


9) Hat sich Ihre Haltung zu Russland oder Putin seit 2019 bzw. seit dem Angriff 2022 verändert? Wenn ja: wodurch und in welche Richtung?

Antwort Holger Friedrich: Ja. Mein erster Besuch der damaligen Sowjetunion erfolgte 1986. Seitdem gab es viele Besuche und spiegelbildlich zu den politischen Entwicklungen in der damaligen Sowjetunion, dem heutigen Russland, den Entwicklungen in Ost- und Westeuropa, in den USA und China haben sich die Eindrücke zu Russland in den letzten 40 Jahren verändert.

Die Entfremdung zwischen Russland, den baltischen und zentralasiatischen als auch den kaukasischen Ländern sowie Westeuropa und die aktuellen Eskalationen bedauere ich zutiefst.

Ich hoffe sehr, dass früher oder später und hoffentlich ohne die gewaltvolle Vorgeschichte eines zweiten Weltkrieges eine Europäische Union mit den vier Grundwerten des freien Warenverkehrs, des freien Personenverkehrs, des freien Dienstleistungsverkehrs und des freien Kapitalverkehrs für ganz Europa gilt, ebenso dass auch Großbritannien wieder in die EU zurückfindet.

 

Ostdeutschland und publizistisches Selbstverständnis

1) Was verstehen Sie unter einem ostdeutschen publizistischen Blickwinkel?

Antwort Holger Friedrich: Die ostdeutsch geprägten Lebenswirklichkeiten werden nur in geringem Umfang in westdeutsch normativen Medien dargestellt und zudem durch Überanpassung opportunistisch agierender Autoren mit ostdeutschem Hintergrund verzerrt dargestellt.

Weiterhin gibt es keine spezifisch ostdeutsche geprägte publizistische Agenda. Einzig die erwartungsfreie, ebenenkonforme und emanzipierte Erarbeitung von heterogenen Perspektiven zur Stimulanz echtem Meinungspluralismus ist der Auftrag.

Anderweitige Unterstellungen, wie eine Sehnsucht nach der DDR, Ostalgie oder geplante Systemumstürze sind falsch.


2) Ist „ostdeutsch“ für Sie Herkunft, Erfahrung, Haltung, publizistische Perspektive – oder etwas anderes?

Antwort Holger Friedrich: Es ist Herkunft, Erfahrung, Sozialisierung und Motivation. Nicht mehr und nicht weniger.

Gleichzeitig sehen wir in aktuellen Zeiten nochmal mehr als in den letzten 30 Jahren eine Überangepasstheit von einzelnen Personen mit ostdeutschen Personen mit hoher kommunikativer oder politischer Exposition, die im Westen Deutschlands ein verzerrtes Bild ostdeutscher Lebensrealitäten und Perspektiven transportieren. Da diese Verzerrungen nicht vollständig zielführend sind, sollten ergänzende Perspektiven konstruktiv in den Wettbewerb gestellt werden. Das tun wir.


3) Was bedeutet für Sie Meinungsvielfalt?

Antwort Holger Friedrich: In jeder Demokratie sollte jede Stimme gehört werden können, solange sie nicht Gewalt oder extremistische Positionen propagiert. Insofern wäre die geforderte Eingrenzung auf ausschließlich linke oder transatlantische Positionen zwar möglich, aber aus publizistischer Perspektive nicht effektiv.

Wir sind kein Partei-Organ. Für Niemanden und Nichts.


4) Welche Grenzen hat Meinungsvielfalt für Sie? Gibt es Positionen oder Akteure, denen Ihre Medien bewusst keine Plattform geben sollen?

Antwort Holger Friedrich: Jeder Position, jede Autorin und jeder Autor ist in den Titeln der OMH willkommen. Die Grenze verläuft in der Stimulanz von Gewalt oder extremen Positionen insbesondere zu Lasten von Minderheiten oder Minderheitenpositionen.

Wir streben die Unterstützung progressiver Kräfte an, die zukünftige Entwicklungen eher als Chance, weniger als Bedrohung – insbesondere des Status quo – verstehen. Dafür stellen wir gerne unsere Plattform zur Verfügung. Jedem und jeder Stimme.

 

Rolle als Verleger und redaktionelle Unabhängigkeit

1) Welche redaktionelle Rolle nehmen Sie als Eigentümer und Herausgeber tatsächlich ein?

Antwort Holger Friedrich: Selbstverständlich beteilige ich mich aktiv an redaktionellen Prozessen, sofern ich dazu eingeladen werde und ich gebe aus Nutzersicht professionelles Feedback. Das sollte auch zu keiner Skandalisierung geeignet sein, denn wie ein Rudolph Augstein oder ein Axel Springer regelmäßig aus Ihrer Verantwortung als final wirtschaftlich Berechtigte Ihrer Verlage im Spiegel oder in der WELT agierten, ist dies heute in gleicher Weise wie zu damaligen Zeit möglich und sinnvoll.

Zudem genießen die jeweiligen Herausgeber, die Chefredakteure, die Ressortleiter und alle Mitarbeiter der OMH höchste Freiheitsgrade, um publizistische und prozessuale Qualität für die Leser und Kunder der Verlage sicherzustellen.

Es gilt, dass die bessere Idee unabhängig von Hierarchie und Lebensalter oder sozialer Herkunft gewinnt. Und so stelle ich meine Ideen, meine Vorstellungen gleichberechtigt zu jedem Mitarbeiter der OMH in den Wettbewerb. Meistens verliere ich, nur manchmal gewinne ich.

Wenn ich Texte produziere, gibt es ein abgestimmtes Verfahren der Freigabe, das mehrstufig angelegt ist. Die Quote von mir eingereichten Texten, die auch publiziert wurden, liegt aufgrund der Einspruchsmöglichkeiten von Ressortleitern, der Chefredaktion, der Herausgeber und Mitgliedern meiner Familie bei 9 zu 1.

Das bedeutet, dass 9 von mir eingereichte Texte abgelehnt werden. Von 10 eingereichten Texten schafft es nur 1 Text, publiziert zu werden.

Daher haben sich die Zeiten verändert. Die regiden Kontrollmechanismen der OHM gab es ganz sicher nicht zu Zeiten des Agierens eines Rudolph Augstein im Spiegel oder eines Axel Springer in Welt oder Bild.


2) Nehmen Sie an Redaktions- oder Themenkonferenzen teil? Können Sie Themen oder Texte beauftragen, verhindern oder Überschriften ändern?

Antwort Holger Friedrich: Früher häufiger, mittlerweile eher selten und dann zufällig und aus Neugier, wenn ich im Verlag bin.

Ganz grundsätzlich kann ich alles tun im Verlag, solange es den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung und den Gepflogenheiten einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung im erfolgreichen Drittvergleich folgt.

Mitunter und sehr viel häufiger weise ich auf Fehler bei nicht korrekten Ausspielungen hin. Diese Fehlerhinweise erfolgen jeweilig an die Ressortleitungen und sind Teil einer breit gelebten offenen Fehlerkultur.

Das Selbstverständnis in großen Teilen des deutschen Journalismus weniger offen mit Arbeitsprozessen und Arbeitsergebnissen umzugehen, entzieht sich meinem Verständnis, weil es Egoismen befördert und Fehler provoziert.

Die Effekte zeigen sich regelmäßig in falschen oder verzerrenden Berichten, gleichermaßen im ÖRR wie in den sogenannten aber mittlerweile in großen Teilen der deutschen Bevölkerung umstrittenen Qualitätsmedien wie Spiegel, ZEIT oder FAZ.

Konkrete Beispiele sind die grob verzerrten Berichte zu Rammstein und Till Lindemann im Spiegel, die Berichte zum Springer-Verlag in der ZEIT oder die einseitige und diskreditierende Berichterstattung zum Osten Deutschlands in der FAZ.

Diese Verzerrungen versuchen wir durch eine offene Diskussionskultur präventiv zu vermeiden, wozu ich gerne meinen Beitrag leiste.


3) Was dürfen Ihre Redaktionen gegen Ihre eigene politische oder persönliche Überzeugung veröffentlichen?

Antwort Holger Friedrich: Alles und frei von Folgen.


4) Können Sie konkrete Beispiele nennen, in denen Berliner Zeitung oder OAZ Positionen veröffentlicht haben, denen Sie persönlich widersprechen?

Antwort Holger Friedrich: Praktisch jeden Tag und hier ein Beispiel von General a.D. Klaus Wittmann, der recht unverhohlen eine Eskalation gegenüber Russland einfordert und seine Sicht sehr ausführlich erläutert: Schattenflotte, Taurus, Konten: „Putin gegenüber ganz andere Saiten aufziehen“

Ich persönlich halte diese Sichtweise diametral zu jeder humanistischen Sicht von Konfliktvermeidung und Konfliktlösung für falsch. Ich kann nicht beurteilen, ob die Sicht des Autors mehr oder weniger zielführend für ein friedliches, prosperierendes Leben in Europa ist. Das wird die Zeit zeigen.

Doch wir sind verpflichtet, diese Positionen auch entgegen meinen tiefsten persönlichen Überzeugungen zu publizieren. Was wir als eines der wenigen Pressestimmen in Deutschland wiederkehrend sicherstellen.


5) Wie verstehen Sie heute die Trennung zwischen Verlag, Herausgeber und Redaktion?

Antwort Holger Friedrich: Die Redaktion hat Meinungspluralität auf höchstem qualitativem Niveau sicherzustellen, der Verlag hat Angebote an den Markt zu formulieren, die der Redaktion alle notwendigen Mittel für eine unabhängige Arbeit verschafft. Die Herausgeber sowie Geschäftsführungen haben die partikularen Interessen auf Grundlage der Statuten zu moderieren.


Europäische Union und europäische Integration

1) Wie beurteilen Sie die Europäische Union und die europäische Integration heute?

Antwort Holger Friedrich: Ich bin große Befürworter der europäischen Integration und wünsche nichts sehnlicher, als die vier Freiheiten des freien Warenverkehrs, des freien Personenverkehrs, des freien Dienstleistungsverkehrs und des freien Kapital- und Zahlungsverkehrs auf das europäische Kontinent ausgeweitet zu sehen.

Gleichzeitig sind kritikwürdige Randerscheinungen dieser europäischen Integration, wie weitgreifende nationale Egoismen, überbordende Bürokratie oder nicht demokratisch ausreichend legitimierte Strukturen möglichst zeitnah in einem effizienten und souveränen Reformprozess zu korrigieren.

Aus dieser Unterstützung und gleichzeitigen Forderung nach mehr Effizienz und demokratischer Legitimität eine Skepsis gegenüber europäischen Strukturen abzuleiten, ist weder sachlich begründbar noch zielführend. Diese Darstellung ist sachlich falsch.


2) Welche Aspekte der EU kritisieren Sie konkret, und welche europäischen Institutionen oder Integrationsziele unterstützen Sie ausdrücklich?

Antwort Holger Friedrich: Nicht demokratisch legitimierte Führungsstrukturen, eine zunehmende Militarisierung und der überbordende Regelungsaufwand sind aus meiner Sicht kritikwürdig.


DDR, SED, Egon Krenz und friedliche Revolution

1) Wie beurteilen Sie die DDR und die SED heute politisch und moralisch?

Antwort Holger Friedrich: Gründung und Etablierung der DDR waren Ergebnis eines verlorenen Krieges. Die jeweiligen Siegermächte, in diesem Fall der Sowjetunion haben politische Strukturen etabliert, die ihre Interessen in einem sich abzeichnenden und später manifestierenden Kalten Krieg im Systemwettbewerb zwischen Sowjetunion und den USA unterstützten. In gleicher Mechanik wurde die BRD und Westbindung der Bundesrepublikdeutschland etabliert.

Innerhalb dieses politischen Konstrukts hatte sich die Bevölkerung zu arrangieren, da gegenläufiges politisches Engagement mit repressiver Gewalt beantwortet wurde.

Den Kalten Krieg hat die Sowjetunion verloren, als Nebeneffekt wurde die DDR abgewickelt. Nichts und Niemand sollte sich diese Struktur erneut wünschen. Trotzdem ist sie Teil der deutschen Geschichte und sollte angemessen berücksichtigt werden, da diese Entwicklung für die DDR-Bevölkerung weitgehend ohne ihr Zutun passiert und nicht aktiv gewählt wurde.

Es war die Lebenswirklichkeit von 16 Millionen Menschen, die in weiteren Generationen mit positiven wie negativen Erfahrungen weitergegeben wird. Dies zu diskreditieren ist möglich, nur unsouverän und mittlerweile gratismutig.

 

2) Was genau wollten Sie mit Ihrer damaligen Forderung nach Dankbarkeit gegenüber Egon Krenz ausdrücken?

Antwort Holger Friedrich: Egon Krenz hat mit weiteren verantwortlichen Kollegen im Machtapparat der DDR bewiesen, dass mit dem Verzicht auf Gewalt und der friedlichen Übergabe von politischer Macht gesellschaftliche Umwälzung ohne Erleiden polizeilicher oder militärischer Gewalt möglich ist. Erstmalig in der deutschen Geschichte.

Dafür bin ich im bis ans Ende meines Lebens dankbar, da weder ich noch viele andere in diesen Tagen im Herbst 1989 Täter noch Opfer von polizeilicher oder militärischer Gewalt wurden.

Wissend um den ethischen Konflikt, dass er als politischen Verantwortungsträger die politische Repression und auch die Toten an der Mauer zu verantworten hatte, sollte dies gesehen und stärker gewürdigt werden.

Gerade unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine ist dies um so bedeutsamer, denn all die Verletzten und Getöteten, die Zerstörungen im Land hätten vermieden werden können, wenn der Grundsatz menschlichen Handels im politischen Wettbewerb stärker berücksichtigt würde.

 

Der Stasi-Komplex und Umgang mit der Vergangenheit

1) Wie beurteilen Sie heute Ihre Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit – persönlich, politisch und moralisch?

Antwort Holger Friedrich: Die Antwort ist zweigeteilt.

Einerseits würde ich wieder so handeln, denn ich habe es geschafft, ohne in Schwedt und ohne im Gefängnis zu landen, auch nicht in den Westen verkauft zu werden, die Stasi abgeschüttelt zu haben. Und dies weitgehend ohne andere Menschen in Gefahr gebracht zu haben. Auch mit 35 Jahren Abstand fällt mir nicht ein, wie ich ohne gröbere Eskalationen diese Lösung hätte optimieren können. Letztlich gab es einen recht massiven Vorwurf und einen Einsatzbefehl gegen mich und eine von mir ausgesprochene „Kündigung“, die interessanterweise ohne weitere direkte Befassung von der Stasi akzeptiert wurde (Beschluss).

Andererseits hätte vermutlich, mit dem heutigen Wissen nach Studium der Akten die realistische Chance bestanden, sich ohne Verpflichtung zum IM der Situation entziehen zu können. Aber das weiß ich heute, damals waren mir diese Informationen nicht zugänglich und die Abwägung im Sinne des „geringst milden Mittels“ war die Deeskalation, die Öffnung von Zeitfenstern und das konsequente Ausweichen sowie die vorsichtige Dekonspiration einer vollständigen Verweigerung und Eskalation vorzuziehen.

 

2) Warum haben Sie Ihre IM-Tätigkeit vor dem Kauf des Berliner Verlags 2019 nicht öffentlich gemacht? Würden Sie heute wieder so entscheiden?

Antwort Holger Friedrich: Ja, und weil ich einerseits ehrlicherweise nie davon ausgegangen bin, das a) 30 Jahre nach dem Mauerfall, das überhaupt noch eine wesentliche Rolle spielen würde und wenn, es ja letztlich eine recht lustige Geschichte im Versuch der Repression des Staates gegen ein Individuum war und der Staat furios scheiterte. Denn wer hat schon eine so eindringliche Aufforderung bei einer repressiven Organisation mitzumachen und wird dann so genervt wegen mangelnder Subordination von dieser allmächtigen Organisation bei eigenem Widerspruch fallengelassen.

Dass b) derart reflektorisch und undifferenziert in den westdeutsch normierten Medien agiert würde hat mich ehrlich gesagt am meisten überrascht. Aber auch, wie viele Menschen diesen Unsinn bis heute glauben und dieser Unsinn für sie handlungsleitend ist. Daher würde ich auch heute dringend empfehlen, diesen Unsachlichkeiten keinen unnötigen Vorschub durch Selbstanzeige zu leisten.

Gleichzeitig hatte es etwas Gutes. Denn so wurde schnell klar, mit wie wenig Sachverstand und mit wie wenig Respekt weiterhin über ostdeutsche Lebenswirklichkeiten berichtet und geurteilt wurde. Im Ergebnis hat es stark dazu beigetragen, die Ostdeutsche Medienholding zu etablieren.

Was vielleicht auch erklärt, warum der ostdeutsche Pfarrer, ehemalige Stasi-Beauftragte und Bundespräsident Gauck äußert, dass es die OAZ nicht benötige. Dann eben doch, wenn derart unreflektiert, undifferenziert und diskreditierend über ostdeutsche Lebenswirklichkeiten selbst mehr als 30 Jahre nach der Wende geurteilt und berichtet wird.

Die mediale Reaktion war zudem ein weiterer Hinweis auf die Überangepasstheit vieler Journalisten mit ostdeutschen Biografien in westdeutschen Redaktionen und hat nochmal mehr gezeigt, dass Opportunismus eine Gesellschaftsform überdauerndes deutsch-deutsches Handlungsmuster ist.

 

3) Welche öffentlichen Aussagen über Ihre damalige IM-Tätigkeit halten Sie angesichts des Birthler-Kowalczuk-Berichts für sachlich falsch, unvollständig oder irreführend?

Antwort Holger Friedrich: Ich wurde von meinem 16. Lebensjahr beginnend bis zum Mauerfall in meinem 23. Lebensjahr in den Akten der Staatssicherheit geführt (Opferakte – ca. 1000 Seiten). Während meines Armee-Dienstes kam es 1987-88 zu einer Eskalation, die mich für drei Monate im Sommer 88 zum IM machte (Täterakte ca. 90 Seiten). In diese IM-Tätigkeit wurde ich genötigt, gleichzeitig habe ich aktiv für meine Deskonspiration gesorgt. In den unkritischen Situationen habe ich vermieden Schaden anzurichten, in den drei kritischen Situationen habe ich mich mit den Observierungsobjekten abgestimmt. Das wurde mehrfach gegenüber FAZ, ZEIT, der New York Times und dem Spiegel von Personen aus meinen Akten bestätigt. Die WELT hatte keinen Zugang zu Personen aus meinen Akten, da die einseitige, diskreditierende Berichterstattung für eine weitere Befassung disqualifizierte.

Weitergehende Interpretationen in der NZZ, in der Morgenpost, in der ZEIT und auch in der FAZ waren größtenteils grober Unsinn, der sich weniger um ehrliche Aufklärung über Mechanismen autoritärer Systeme motivierte. Vielmehr schien es eher ein Wettlauf um die Bewirtschaftung einer medial zwar interessanten aber letztlich dem Thema nicht angemessenen Skandalisierung zu gehen, die teilweise bis heute anhält.

Der einzig objektive Bericht wurde im Spiegel im Jahr 2020 publiziert. Der Autor Alexander Osang hatte Zugang zu allen Akten und Personen in den Akten.

 

4) Was ist damals konkret passiert – vom ersten Kontakt mit der Staatssicherheit bis zum Ende Ihrer IM-Tätigkeit?

Antwort Holger Friedrich: Die Vorgänge lassen sich in einer kurzen FAQ-Antwort nur unvollständig darstellen. Meine in Summe fünf Stasi-Akten dokumentieren eine mehrjährige Geschichte, die von Überwachung, gegen mich und Freunde geführte Operative Vorgänge, über Festnahmen, Arrestierungen, eine spätere Verpflichtung als IM, als auch meiner Verweigerung der weiteren Zusammenarbeit reicht.

Den groben Ablauf habe ich deshalb anhand der mir zur Verfügung stehenden Akten und dazugehöriger Dokumente auf einer Unterseite dargestellt: Es ist eine, von sehr vielen Geschichten mit der Staatssicherheit in der DDR. 

Man sollte Legenden ja nicht zerstören. Doch in diesem Fall hilft es vielleicht, ein erweitertes Bild zu zeigen, um den Überzeugten ein wenig Stoff zum Nachdenken, den Schlichten auf die Sprünge und den Niederträchtigen Paroli zu bieten. Ich bin da ohne Groll. Es war eine gute Schule für alle späteren Herausforderungen.

 

Wirtschaftliche Interessen und publizistische Unabhängigkeit

1) Wie trennen Sie Ihre wirtschaftlichen Beteiligungen von Ihrer Tätigkeit als Verleger? 

Antwort Holger Friedrich: Aufgrund diverser früherer Karriereschritte und damaliger als auch aktueller unternehmerischer Engagement existiert vertieftes Domain-Wissen. Das stelle ich gerne den Redaktionen zur Verfügung. Jedoch immer unter der Maßgabe, dass die Redaktion über den Einsatz dieser Informationen entscheidet und bei Anschein eines Interessenkonfliktes dieser transparent gemacht wird.


2) Wie beurteilen Sie rückblickend den Centogene-Vorgang und die Rüge des Deutschen Presserats?

Antwort Holger Friedrich: Es erfolgte eine unzulässige Skandalisierung, da ich mein wirtschaftliches Engagement, auch meine Rolle im Aufsichtsrat gegenüber der Geschäftsführung und der Chefredaktion wie bei allen anderen damaligen unternehmerischen Engagements transparent gemacht hatte. Dies wurde zudem schriftlich in einer Mail niederlegt. Allerdings wurden diese Information von der Chefredaktion nicht an den schreibenden Redakteur weitergegeben. Der Chefredakteur hatte nie die Größe, zu diesem Versehen zu stehen. Das war und ist jedoch unkritisch, weil die publizierte Meldung der Berliner Zeitung weitgehend der DPA-Meldung entsprach und die Publikation – wie von mir erbeten, erst nach allen anderen Medien wie bspw. dem Handelsblatt erfolgte, um dem möglichen Interessenkonflikt so weit wie irgend möglich auszuweichen.

Aufgrund der öffentlichen Vorwürfe eines potentiellen Interessenkonfliktes habe ich für die Zeit einer ordentlichen Untersuchung das Aufsichtsratsmandat ruhen lassen. Nach Abschluss der Überprüfung – die Gesellschaft unterlag der Regulation der US-amerikanischen Börsenaufsicht – wurde kein Fehlverhalten meinerseits festgestellt und das Aufsichtsratsmandat konnte wieder aufleben.

Die Untersuchung im Presserat ergab, dass mir kein Fehlverhalten vorzuwerfen war, jedoch Teile der Chefredaktion und der Redaktion unterlassen haben, einen Transparenzhinweis zu produzieren, weswegen die Berliner Zeitung und nicht ich gerügt wurden.

Die oftmals und wiederholte Unterstellung, dass wir mit den Titeln der OMH eine indirekte Werbe-Plattform für andere unternehmerische Engagement installieren wollten, ist falsch. Der Vorgang wurde damals vom Spiegel nicht vollständig recherchiert und mutmaßend sowie einseitig dargestellt.

 

3) Welche konkreten Regeln gelten heute in Ihren Medien, wenn über Unternehmen, Projekte oder Branchen berichtet wird, an denen Sie oder Ihre Familie wirtschaftlich beteiligt sind?

Antwort Holger Friedrich: Wir vermeiden Berichte zu Themen, in denen wir unternehmerisch investiert sind, um jeden Anschein eines potenziellen Interessenkonfliktes zu vermeiden. Sofern die Redaktionsleitung entscheidet, doch in einem möglichen Themenkomplex zu publizieren, werden Transparenthinweise produziert.

4) Woher haben Sie Ihr Vermögen? 
Es gab in den letzten 30 Jahren einerseits wirtschaftlich erfolgreiches Agieren sowie mehrere Transaktionen, die die Eigenkapitalbasis stärkten. So beispielsweise den Verkauf einer Software-Entwicklungsfirma 2003 an einen deutschen Technologiekonzern,  den Verkauf eines größeren Immobilienportfolios 2005 an einen kanadischen Pensionsfond oder den Verkauf einer Technologieberatung 2021an eine U.S.-amerikanischen Softwareentwicklungskonzern.

 

Quellenschutz und der Fall Julian Reichelt / Axel Springer

1) Wie verstehen Sie als Verleger den journalistischen Quellenschutz?

Antwort Holger Friedrich: Solange Vertraulichkeit vereinbart ist, ist Vertraulichkeit zu gewährleisten. Ob diese informell oder formal vereinbart wurde, ist unerheblich.

Bei unaufgeforderter Kontaktaufnahme und Übermittlung von Informationen, die zudem legale oder professionelle Grenzen berühren oder überschreiten, auch wenn Interessenkonflikte erkennbar sind, sollte strikt nach den Grundlagen ordnungsgemäßer Geschäftsführung und hier insbesondere nach den Prinzipien von Legalität und Rechts- und Regelkonformität gehandelt werden.

Die daraus entstehenden medien-ethischen Konflikte sollten durch eine Reform der Regeln der Freiwilligen Selbstkontrolle im Pressekodex gelöst werden. Sofern dies auf absehbare Zeit nicht gelingt, ist im Einzelfall grundsätzlich die Einhaltung von Gesetzen höher zu priorisieren als die Einhaltung des Pressekodex.

 

2) Warum haben Sie Mathias Döpfner über Julian Reichelts Kontaktaufnahme informiert?

Antwort Holger Friedrich: Ich habe nicht Mathias Döpfner, sondern den Leiter der Rechtsabteilung der Axel Springer SE informiert und in einem Schreiben darum gebeten, die professionellen Standards des Hauses zu verbessern, damit einerseits Mitarbeiterinnen nicht derart und öffentlich kompromittiert werden und anderseits Regeln eingeführt werden, die potenzielle Folgen eines Machtgefälles in persönlichen Beziehungen möglichst neutralisieren. So, wie es in allen anderen Industrien seit mittlerweile Jahrzehnten üblich ist.

Meine Motivation begründet sich daraus, nicht akzeptieren zu wollen, dass professionelle Defizite in der Medienindustrie unter dem Vorwand der Pressefreiheit kultiviert und Arbitrageeffekte unzulässig kapitalisiert werden.

 

3) Wie bewerten Sie heute den Unterschied zwischen der Rüge des Presserats und der späteren rechtlichen Bewertung durch das Landgericht Berlin? Würden Sie heute wieder genauso handeln?

Antwort Holger Friedrich: Ja, auf jeden Fall. In diesem Fall gab es eine persönliche, eine presse-ethische und eine professionelle Perspektive.

Die persönliche und die professionelle Ebene erzwingen gleiches Handeln geradezu, wenn Themen wie Gleichberechtigung, Abwehr von strukturellem Machtmissbrauch gegenüber Frauen oder Arbeitnehmerschutzrechte ernst genommen werden.

Die presse-ethische Frage ist komplizierter. Sofern man davon ausgeht, dass informelle, legal nicht durch Gesetzeskraft etablierte Regeln gelten und über dem Gesetz stehen, habe ich gegen Presseregeln der freiwilligen Selbstkontrolle verstoßen. Diese Regeln sind jedoch informeller Natur. Die rechtliche Bewertung ist und war daher eindeutig, vier Verfahren vor deutschen Gerichten wurden gegen mich angestrengt, wovon drei von mir gewonnen wurden. Das vierte Verfahren hat die Gegenseite vor Urteilsverkündung zurückgezogen.

In diesem Fall gibt es folgende notwendigen Ergänzungen in der öffentlichen Darstellung anzumerken:

  1. Ich habe nicht Herrn Döpfner, sondern die Rechtsabteilung der Axel Springer SE informiert.
  2. Ich hätte Herrn Reichelt vorher die Gelegenheit geben sollen, den Fall eigenständig aufzuräumen. Das habe ich aufgrund seines publizistischen Agierens in den Jahren zuvor gegen den Berliner Verlag, seine Mitarbeiter und gegen mich nicht in Betracht gezogen, was ein Fehler war.


Neue Rechte, Personalentscheidungen und politische Zuschreibungen

1) Wie beurteilen Sie die öffentliche Behauptung, Sie öffneten Ihre Medien bewusst nach rechts oder „rechtsaußen“?

Antwort Holger Friedrich: Sie ist falsch, denn es ist eine unvollständige und nicht widerspruchsfreie Einordnung. Schon 2019 in den ersten Interviews nach der Übernahme haben wir erklärt, dass die Einordnung von rechts und links als Kategorien publizistischer Arbeit als nicht zielführend empfunden wird. Denn es gibt mindestens zwei weitere Dimensionen, die es ergänzend zu beachten gilt: Vorne und hinten sowie oben und unten. Als Quelle kann das Interview mit Jacob Augstein vom Freitag in der Volksbühne aus dieser Zeit herangezogen werden. In den darauffolgenden Jahren wurde diese Einordnung mehrfach, auch öffentlich wiederholt, z.B. im Podcast der NZZ, im Gespräch mit DIE WELTWOCHE oder bei ZDF aspekte.

Wir ordnen die Titel der Ostdeutschen Medienholding im medialen Kanon eher als oben und vorne ein. Die Zuordnung einer Rechtsoffenheit bedeutet in unseren Fall, dass wir ebenso linksoffen agieren, zudem Verständnis für das Oben und Unten einer Gesellschaft empfinden sowie progressiven wie konservative Strömungen Raum geben.

 

2) Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, Journalisten und Publizisten wie Thomas Fasbender für Ihre Medien zu beschäftigen?

Antwort Holger Friedrich: Die führende Dimension ist Intelligenz, die folgende Kompetenz und die nachfolgende Dimension sind persönliche Eigenschaften, wie Demut, Fleiß, auch Kreativität und viele Eigenschaften mehr.

Politische Einstellungen, frühere Arbeitgeber oder Kontakte zu “kontrovers diskutieren Strukturen” sind explizit kein Hinderungsgrund einer Einstellung.

Solange die Grundlagen der publizistischen Leitlinien der OMH nicht berührt sind, weigere ich mich, Ausgrenzungen zu akzeptieren. Ganz ausdrücklich halte ich es für eine freiheitlich-demokratische Grundordnung falsch, etwaige Ausgrenzungen oder sozialen Sanktionierungen vorzunehmen. Gerade die Freiheit des Geistes, der Meinung und der Presse sind im Sinne der Soft Power das überzeugendste Argument gegenüber autokratischen Systemen.

Regelmäßig attackierte Kollegen wie beispielsweise Dr. Thomas Fasbender oder Florian Warweg sind kluge, erfahrene Kollegen, die aufgrund ihrer internationalen Erfahrungen, ihrer Sprachkompetenz und ihres Intellekts großartige Stücke produzieren, die im deutschen Medienmarkt ihresgleichen suchen. Zur Wahrheit gehört auch, dass beide Kollegen mit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine ihre Jobs bei ihren russischen Arbeitgebern kündigten, was in öffentlichen Darstellungen mitunter – vermutlich interessengeleitet – unterschlagen wird.

Das bedeutet nicht, dass ich mir die jeweiligen, individuellen politischen Positionen zu eigen mache. Das anzunehmen, bzw. publizistisch zu bearbeiten, empfinde ich als unterkomplex.

Auch die öffentlichen Einschätzungen eines Herr Sommerfeldt, der den Zustand des Berliner Verlag vor unserer Übernahme in seiner Verantwortung als vormaliger Dumont-Vorstand zu verantworten hat, empfinde ich als unredlich. Zumal er sich nach der Übernahme bei uns für eine leitende Position bewarb und erkennbar wenig souverän damit umgehen konnte, dass unsere professionellen und publizistischen Standards nicht mit seinen Möglichkeiten in Einklang zu bringen waren.

 

3) Was bedeutet es aus Ihrer Sicht, Personen wie Susanne Dagen zu interviewen oder auf Veranstaltungen wie „SeitenWechsel“ präsent zu sein? Wo liegt für Sie die Grenze zwischen journalistischer Beobachtung, Gespräch und politischer Identifikation?

Antwort Holger Friedrich: Weder ich noch die OAZ, noch die Ostdeutsche Medienholding waren auf der Buchmesse “Seitenwechsel” vertreten. Das ist eine weitere Verzerrung von Realitäten eines Herrn Meissner, bzw. einer seiner Publikationsorte, in diesem Fall der “Blätter für deutsche und international Politik.

Das habe ich auf Anraten einer der ehemaligen Herausgeberinnen dieses Blattes auch dem Chefredakteur Albrecht von Lucke per Mail mitgeteilt. Eine Reaktion gab es bisher nicht.

Ich kann mich ebenso nicht erinnern, rechte Positionen öffentlich vertreten oder mich mit ihnen gemein gemacht zu haben. Mein Weltbild ist eher vom proletarischen Internationalismus geprägt, dass ein Mensch egal wo auf dieser Welt frei und selbstbestimmt leben können sollte. Das habe ich mehrfach in Interviews, in Talk-Runden und in Podcasts formuliert.

Es gehört jedoch auch zum Kanon der Aufklärung kontroverse Thesen diskutieren sowie falsifizieren oder verifizieren zu können. Weswegen jede Stimme – solange sie keine extremistischen Positionen oder Gewalt propagiert – eine gleichberechtigte Stimme zu geben.

Rational ist, der zunehmenden Polarisierung in den deutschen Medien, auch innerhalb der Gesellschaft einen breiteren, friedlichen und progressive Diskursort bereitzustellen.

So ist auch die Einladung einer Susanne Dagen in die Redaktion der Berliner Zeitung sowie ein Interview mit ihr ein üblicher journalistischer Vorgang, der sich kaum zur Skandalisierung eignet, da Frau Dagen weder extreme politische Positionen vertritt, noch zur Gewalt aufruft.

Ihr spezifischer Humor über Teile des politischen Spektrums mögen provozieren, sollten aber eher belustigen als ängstigen.

 

Öffentliche Zuschreibungen und abschließende Klärung

1) Welche wiederkehrenden öffentlichen Zuschreibungen zu Ihrer Person halten Sie für sachlich falsch oder irreführend?

Antwort Holger Friedrich: Das die Produkte der Ostdeutschen Medienholding “Hetzblätter” wären.

Das ich ein “Putin-Freund” wäre, da ich ihn weder kenne noch die politische Gewaltanwendung jemals gutgeheißen habe.

Das die Titel der OMH “rechtsoffen” wären, denn sie sind gleichermaßen auch linksoffen.

Das ich die Ostdeutschtümelei unterstütze, was gegeben meiner internationalen Erfahrung und aktuellen Tätigkeiten absurd ist.


2) Bei welchen Punkten sagen Sie selbst: Die öffentliche Kritik trifft einen berechtigten Punkt oder hat Ihre Sicht verändert?

Antwort Holger Friedrich: Kritik zu professionellen und journalistischen Standards, beziehungsweise deren Einhaltung sind gerechtfertigt.

Wir transformieren die Titel der Ostdeutschen Medienholding aus einer unsanierten, publizistisch weitgehend bedeutungslosen und strukturell defizitären Situation in eine publizistisch unabhängige, profitable und wachsende Medienplattform.

Dabei passieren Fehler, die wir erkennen und versuchen zu korrigieren. Sofern diese Fehler öffentlich thematisiert werden, ist dies legitim und wir beachten diese Kritik.

Sofern sie unsachlich, diskreditierend oder auch nützlich für den eigenen wirtschaftlichen Vorteil von Mitbewerbern formuliert wird, nehmen wir dies zur Kenntnis. Diese Kritik ist dann allerdings für uns nicht handlungsleitend.