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„Wut. Hüben wie drüben“: Matthias Schmidt besucht die OAZ

18.082026 - Update

Normalerweise berichten wir auf Projekt Halle in eigener Sache: über den Aufbau der OAZ, neue Ideen und die nächsten Schritte. Heute geht es um eine gemeinsame Sache.

Der MDR setzt mit „Wut. Hüben wie drüben“ seine Dokumentarreihe von Matthias Schmidt fort. Für die neue Folge reiste er durch Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg – und besuchte dabei auch Holger Friedrich.

Diese Folge ist wirklich sehenswert und stellt eine Frage mit der wir uns seit Beginn der OAZ beschäftigen: Was lässt sich aus ostdeutschen Erfahrungen über ein Deutschland lernen, das insgesamt wieder stärker mit Unsicherheit und Veränderung umgehen muss?

Der Titel „Wut“ klingt nach Unzufriedenheit. Tatsächlich erzählt die Folge von Menschen, die Veränderung nicht ablehnen, aber erleben, dass sie immer seltener Einfluss darauf haben, wie Veränderung geschieht. Von praktischer Erfahrung, die auf abstrakte Regeln trifft. Von wirtschaftlicher Unsicherheit. Von dem Gefühl, dass Entscheidungen anderswo getroffen werden und die eigene Wirklichkeit darin nur unzureichend vorkommt.

Darin ähneln sich die Begegnungen des Films, obwohl die Menschen, Regionen und politischen Ansichten sehr verschieden sind.

Es geht um den Wunsch, nicht nur Betroffener gesellschaftlicher Veränderungen zu sein, sondern an ihnen mitzuwirken. Es geht um Anerkennung: nicht jede Erfahrung erst erklären oder rechtfertigen zu müssen, bevor sie gehört wird. Und es geht um Geschichte – darum, dass Orte und Landschaften für Menschen mehr sind als das, was man heute auf ihnen sieht.

Es geht um Erfahrungen, die Ostdeutsche vielen anderen voraus haben: Sie haben innerhalb eines Lebens unterschiedliche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Systeme erlebt und tiefgreifenden Wandel nicht theoretisch, sondern praktisch kennengelernt. Dieses Wissen, so sein Argument, sollte nicht an den Rand gedrängt, sondern genutzt werden.

Die interessante Perspektive der Dokumentation besteht darin, dass sie diesen Gedanken anschließend nach Westen trägt. Dort stößt Schmidt auf andere Biografien, aber ähnliche Fragen. Was geschieht, wenn jahrzehntelang selbstverständliche Sicherheiten plötzlich weniger selbstverständlich werden? Wenn Industrie unter Druck gerät? Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, dass notwendige Reformen ausbleiben und zugleich immer neue Regeln entstehen?

Damit verändert Schmidt auch der Blick auf Ost und West. Die ostdeutsche Transformationserfahrung erscheint nicht mehr nur als historische Besonderheit einer Region. Sie könnte zum Erfahrungswissen werden, das für die Gegenwart des ganzen Landes relevant ist.

Das ist auch der Grund, warum wir heute einmal nicht nur in eigener Sache auf eine Fernsehsendung hinweisen. Die Menschen, denen Matthias Schmidt begegnet, sprechen über vieles, was auch die OAZ beschäftigt: über gesellschaftliche Umbrüche, über wirtschaftliche Vernunft, über die Bedeutung von Herkunft und Erfahrung – und über die Frage, wer eigentlich bestimmt, welche Perspektiven in einer öffentlichen Debatte Gewicht bekommen.

Am 20. August, dem Sendetag der neuen Episode „Wut. Hüben wie drüben“, wird die OAZ genau ein halbes Jahr alt. Sechs Monate sind noch keine lange Zeit für eine Zeitung. Aber lange genug, um zu erkennen, dass der gesamtdeutsche Mediendiskurs eine vierte Himmelsrichtung gut gebrauchen kann.

Wut. Hüben wie drüben

 

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