Warum wir das Theater OST unterstützen
24.08.2026 - Update
Es gibt Dinge, deren Wert sich erst zeigt, wenn sie zu verschwinden drohen.
Das Theater OST gehört für uns dazu. Seit 2015 wird im ehemaligen Studio 5 des DDR-Fernsehens in Berlin-Adlershof Theater gespielt. Von hier wurde einst die „Aktuelle Kamera“ gesendet. Heute stehen dort Schauspieler auf der Bühne, finden Konzerte, Lesungen und politische Diskussionen statt. Das Gebäude ist Teil des denkmalgeschützten früheren Fernsehzentrums Adlershof – und damit selbst ein Stück deutscher Mediengeschichte.
Aber Geschichte allein macht noch keinen lebendigen Ort. Dazu braucht es Menschen, die ihn nutzen, Publikum, das ihn besucht, und ein Programm, das immer wieder neue Geschichten hinzufügt. Genau das hat das Theater OST in den vergangenen zehn Jahren geschafft.
Seit Monaten ist seine Zukunft dennoch ungewiss. Hintergrund sind die geplante Sanierung des Gebäudes, der gekündigte Mietvertrag und ein Rechtsstreit mit dem Erbbauberechtigten. Der Berliner Senat hält einen Auszug während der Sanierung für notwendig. Das Theater hat dagegen ein eigenes Konzept entwickelt, das eine Sanierung bei weiterlaufendem Betrieb ermöglichen sollte. Eine Einigung gibt es bislang nicht.
Zuletzt drohte die Auseinandersetzung sehr konkret zu werden: Für den 24. August war die Zwangsvollstreckung und Räumung des Theaters angesetzt.
Die Ostdeutsche Medienholding unterstützt das Theater OST bereits seit Monaten – organisatorisch, mit fachlicher Expertise und dort, wo es notwendig ist, auch finanziell. Als sich zeigte, dass die Vollstreckung durch die Hinterlegung einer Sicherheit von 10.000 Euro zunächst verhindert werden konnte, haben wir dieses Geld zur Verfügung gestellt.
Nicht, weil Medienhäuser normalerweise Theater finanzieren sollten. Sondern weil eine strukturelle Benachteiligung nicht zu einem dauerhaften Nachteil führen sollte.
Wir reden viel über kulturelles Erbe. Über ostdeutsche Geschichte, Identität und darüber, dass nicht alles verschwinden sollte, nur weil sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Eigentumsverhältnisse oder Nutzungspläne ändern. Das darf kein abstraktes Bekenntnis bleiben.
Das Studio 5 soll saniert und erhalten werden. Das ist richtig. Aber ebenso erhaltenswert ist das, was dort in den vergangenen zehn Jahren entstanden ist: ein unabhängiges Theater, sein Ensemble, sein Publikum und ein Ort, an dem ostdeutsche Kultur nicht museal verwahrt, sondern weitergeführt wird.
Die 10.000 Euro lösen den Konflikt nicht. Der Erbbauberechtigte kann die vorläufige Abwendung der Vollstreckung seinerseits durch eine Sicherheitsleistung aufheben. Entscheidend bleiben deshalb die Gespräche darüber, wie das Theater eine dauerhafte Perspektive erhalten kann.
Am 25. August wird darüber auch öffentlich gesprochen. Bei einem Spezial der Reihe „Perspektivwechsel“ diskutieren im Theater OST Wolfgang Kubicki und Holger Friedrich; die aktuelle Situation des Hauses wird dabei ebenfalls Thema sein.
Vor allem aber geht es jetzt darum, eine Lösung zu finden.
Denn Kulturschätze erhält man nicht, indem man sie im Rückblick bedauert. Man muss sich um sie kümmern, solange sie noch da sind.
https://www.theater-ost.de/events/spezial-perspektivwechsel/
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